HAUS AN DER SPREE

 

Neubau eines Wohngebäudes auf dem ehemaligen Werftgelände der Wasserschutzpolizei der DDR, das den Blick zur Spree nicht verstellt und sich in seiner Anmutung in die existierende industriell geprägte Struktur einfügt.

 

ENTWURFSKONZEPT

Zur Wahrung der Blickachse ist die Wohnebene auf 4,20 Meter angehoben. Eine freie Einteilung des umlaufenden Wohnbereiches wird durch die Bündelung der Serviceeinheiten – Treppe, Küchen, Bäder – in einem das Gebäude zentral durchlaufenden Sichtbetonkern ermöglicht. Um den Längsfluss des Kernes nicht zu behindern, wurde für dessen Unterteilung ein transluzentes Material in Form von Glasbausteinwänden gewählt.

Der Wohnbereich ist zwischen zwei Betondeckenplatten angeordnet und von einer umlaufenden Glasfassade gefasst, die, gleich der Wahrnehmung auf der Dachterrasse, einen Außenraumbezug in alle Himmelsrichtungen ermöglicht.

Der Betonkörper wurde bewusst ohne Sichtbetonanforderungen mit einer industriellen Rahmenschalung ausgeführt. Die Struktur der Glasfassade unterstreicht durch ihre materielle Präsenz den körperhaften Charakter. Das umlaufende Oberlichtband bindet optisch beide Deckenplatten zusammen, proportioniert und gibt dem Innenraum einen menschlichen Maßstab.

Auf eine dauerhaft festgelegte Untergliederung des Wohnbereiches wurde zugunsten von Flexibilität in Art und Weise der Nutzung verzichtet.

   

KONSTRUKTION

Das Gebäude ruht auf einer Fläche, die bis in die 1970-er Jahre Teil der Spree war und im Rahmen der baulichen Tätigkeiten zur Errichtung des ehemaligen Werftgeländes aufgeschüttet wurde. Die Gründung umfasst daher über 40 Stahlbetonpfähle mit einer Länge von 8 bis 10 Metern sowie eine darüber befindliche 60 cm starke Bodenplatte im Bereich des zentralen Betonkerns.

Der aus Wärmeschutzgründen in Leichtbeton ausgeführte Kern hat als Außenwand im Erd- und Dachgeschoss eine Stärke von 60 cm; als Innenwand ist er auf die statisch notwendige Stärke reduziert. Deckenscheiben sowie Stützen sind in Normalbeton ausgeführt.

Die zwischen den beiden Deckenscheiben angeordnete Glasfassade, bestehend aus alternierenden Fest- und Schiebelementen mit einem horizontalen Oberlichtbereich, lässt sich mit einem außen liegenden textilen Sonnenschutz verschatten, sodass auf den Einsatz eines Sonnenschutzglases zugunsten von Weißglas verzichtet werden konnte. Die Führungsschienen des Sonnenschutzes sind in der Verkleidung der im Außenbereich angeordneten Fassaden-Stahlstützen untergebracht.

Die Versorgung des Gebäudes erfolgt über einen zwischen Bad und Küche angeordneten Schacht, der für Revisionszwecke begehbar ist. Die Schachtwände sind, wie alle Wände im Inneren des Kerns, als Glasbausteinwand ausgeführt. Die Installationsrohre sind durch eine Alukaschierung nicht wahrnehmbar.

Die ebenfalls im Kern angeordnete Betonfertigteiltreppe erhält einen Handlauf aus sägerauhem Eichen- sowie Schwarzerlenholz. Die Form des Geländers ist der Absturzsicherung während der Rohbauphase nachempfunden. Das Holz stammt von den Bäumen, die für die Errichtung des Gebäudes gefällt werden mussten.

 

AKTUELLE NUTZUNG

Reversible Möbel zonieren und unterteilen den Wohnbereich der aktuellen Nutzungsanforderung entsprechend. Durch den weiterhin freistehenden Kern bleibt der großzügige Raumeindruck trotz der Einbauten gewahrt.

Mit Hilfe eines langen geschlossenen Schrankmöbels entstehen zwei abgeschlossene Schlafräume. Die Rückseite des Möbels – und damit Rauminnenwand – ist mit verputzen Lehmbauplatten versehen, die das Raumklima regulieren.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Kerns ist ein großes zweiseitig bespielbares Regal angeordnet, das den Wohnbereich proportioniert und in zwei unterschiedlich bespielbare Bereiche unterteilt.

 

Baujahr: 2017
Bauherr: privat

Grundstücksgröße: 8.717 qm
Bruttogeschossfläche: 446 qm
Bruttorauminhalt: 2.120 cbm

Architekt: Tanja Lincke Architekten
Leistungsphasen 1 bis 9 (bis auf Betonrohbau LP 6 bis 8)
Mitarbeiter: Helge Engbert, Anja Rigamonti

Statik: Pichler Ingenieure GmbH
Bauphysik: Müller-BBM GmbH
Brandschutz: hhpberlin GmbH